Polen (01.05.2008 - 11.05.2008)

Donnerstag, 01.05.08 Duisburg bis Stettin 715 km, 0 Leuchtfeuer Der Leuchtturm von Swinemünde überragt alles, fast alles Um 10:40 verließen wir Duisburg Richtung Polen. Bei schönem Wetter fuhren wir auf der A2 Richtung Stettin. Etwas mulmig war uns ja schon. Kommen Sie nach Polen, Ihr Auto ist schon da! Solche Sprüche kennt man ja. Wir trafen Vorsorge indem wir das Auto (KIA, 2 Jahre alt) seit 6 Monaten nicht mehr gewaschen hatten, in der Hoffnung, Polen klauen nur saubere Autos. Die Kameraausrüstung war versichert und der Schmuck zu Hause. Eigentlich dürfte nichts schief gehen. Hinter Berlin war alles leer. Keiner wollte nach Polen. Die Autobahn in Brandenburg gab uns schon mal einen Vorgeschmack auf polnische Straßenverhältnisse. Wenn ich ein Gebiss gehabt hätte, wäre es von den Schlaglöchern rausgefallen. Um 18:00 hatten wir die 715 km hinter uns gebracht und erreichten das Novotel in Stettin (Al. 3 Maja 31). Wir hatten im Internet vorgebucht (60,00€) weil das Novotel eine Tiefgarage hat. Schließlich wollten wir unser Auto die nächsten 10 Tage behalten. Das Zimmer war OK, hatte ein schönes Bad und ein Schwimmbad gab es auch im Keller des Hotels. Wir gingen zu Fuß runter zur Oder und suchten die Bootsvermietung, bei der wir für den nächsten Tag ein Boot gemietet hatten. Sie war nur 5 Minuten entfernt (AR Centrum Wynajmu i Turystyki, ul. Kolumbia 1 lok 6). Auf dem Weg sahen wir kein Restaurant. Deshalb beschlossen wir, im hoteleigenen Restaurant zu essen. Die Preise waren für ein Hotel moderat. Essen p. P. 12€, der Caipirinha hinterher an der Hotelbar 5€. Von Stettin hatten wir bisher ja noch nicht so viel gesehen. Es gab sehr schöne alte Gebäude, die aber mal eine Renovierung oder einen Pott Farbe vertragen hätten. Interessant war die altersschwache Stettiner Straßenbahn. Der deutsche TÜV hätte mit Freude sofort jeden Wagen aus dem Verkehr gezogen.

Freitag, 02.05.08 Stettin - Swinemünde - Stettin 0 km, 197 Leuchtfeuer Um 9:30 sollten wir an der Vermietung sein. Um 9:20 waren wir da. Um 10:10 kam das Boot. Polnische Pünktlichkeit. Das Wetter war traumhaft. Sonne, kaum Wind und richtig warm. Und wir standen mit unseren dicken Jacken da! Aber man weiß ja nie, wie kalt es draußen auf dem Haff ist. Unser Boot, eine Bayliner, die uns durch das Stettiner Haff fuhr Das Boot war klein, aber OK. Wir richteten uns auf den hinteren Plätzen häuslich ein und starteten die Tour in den Hafenbecken von Stettin. Danach ging es in den Mielinski-Kanal. Hier feuerten wir erst die roten Feuer ab. Unser Bootsführer sprach kein englisch. Deshalb war ein netter junger Mann von der Vermietung mit an Bord, der übersetzte. Was er am meisten sagen musste war "Slowly". Zwischen den Feuer war es ja OK so zu rasen, aber man muss ja wenigsten kurz stoppen; um ein Foto zu schießen. Um 12:30 waren wir in Police, kurz vor dem Stettiner Haff. Auf dem Haff gab der Bootsführer nochmals anständig Gas. Ich dachte, ich fliege aus dem Boot. Die Jacken wurden auch gebraucht. Durch den Fahrtwind war es ganz schön kalt. Die großen Feuer, die die Fahrrinne kennzeichnen; wurden quasi mit 50 km/h fotografiert. Ich glaube, unser Kapitän hatte heute noch was vor. Auf der anderen Seite des Haffs fuhren wir in den Piastowski-Kanal. Dieser führt nach Swinemünde und ist ebenfalls stark befeuert. Um 14:20 hatten wir das letzte Feuer von Swinemünde im Kasten. Der Rückweg verzögerte sich, weil der Kapitän aus Reservekanistern 50 l nachtanken musste. Kein Wunder, dass er so viel Sprit verbraucht hat, bei der Raserei! An einer Tankstelle holte er dann noch 30 l Reserve. Der Bosman Express saust durch das Haff und verbindet Stettin mit Swinemünde Auf dem Rückweg zum Haff feuerten wir die grünen Leuchtfeuer des Piastowski-Kanals ab. Um 15:30 waren wir wieder auf dem Haff. Innerhalb von 30 Minuten hatten wir das Haff überquert. Der Bootsführer ist aber auch gerast! Nun waren die grünen Feuer des Mielinski-Kanals dran. Das waren etliche, da die grünen Feuer auf der industriellen Seite des Kanals standen. Auf der anderen Seite ist unberührte Naturlandschaft mit Auenwäldern und Mistelnestern in den Bäumen. An die letzten beiden Feuer in einem Hafenbecken kamen wir nicht heran, weil ein großes Schiff wendete. Die Feuer wollten wir am nächsten Tag per Auto knipsen. Bei den letzten Industriefeuern in Stettin fing es an zu nieseln. Das hatten wir ja gut abgepasst. Nass wurden wir trotzdem, denn der Kapitän machte einen Schlenker vor der Hafenwand, dass das Wasser zurück schwappte und wir eine Woge mitbekamen. Um 18:00 waren wir wieder im Hotel. Eigentlich wollten wir ins Schwimmbad, aber wir waren zu kaputt. Lieber ein Käffchen und ausruhen. Später gingen wir zu Fuß zu einer Pizzeria (Jednosci Narodowej 43). Anschließend warteten 800 Bilder in Kamera auf Nachbearbeitung. Jedes Feuer wurde bis zu vier Mal fotografiert. Jetzt wurden die Besten rausgesucht und der Rest gelöscht. Diese Arbeit verrichteten wir in der Hotelbar und zischten ein Bierchen dabei. Wir schafften aber nur die Hälfte. Um 23:30 lagen wir kaputt im Bett.

Samstag, 03.05.08 Stettin bis Dziwnow 170 km 33 Feuer Um 10:00 checkten wir aus und versuchten die beiden Feuer im Hafen zu kriegen. Aber mit dem Auto kam man nicht aufs Werksgelände. Aber der nette junge Mann von der Vermietung hat uns später die Feuer per Mail geschickt. Miedzyzdroje braucht sich nicht zu verstecken, wenn es um touristische Ausstattung geht Wir fuhren Richtung Swinemünde und knipsten 5 Feuer in Stepnica, einem kleinen idyllischen Dörfchen. Hier auf dem Land sind die Straßen verdammt schlecht. Sie sind teilweise nicht asphaltiert und haben viele Schlaglöcher. Dazu kommt, dass das Navi nur Stettin und die großen Landstraßen kennt. Alles andere ist weißes Niemandsland fürs Gerät. Zum Glück haben wir eine anständige Landkarte dabei. Außerdem konnten wir die Koordinaten der Feuer eingeben und ohne Straßenangabe nach "Richtungspfeilen" fahren. Also wie früher als wir nur ein See-GPS hatten. Durch kleine Orte ging es weiter nach Skoszewka. Hier gibt es zwar Ober- und Unterfeuer, aber keine feste Straße. Über Feldwege fuhren wir nach Zagorze. Das nächste Ziel war Wolin, auch am Stettiner Haff gelegen. Hier hatten wir Feuer an zwei Brücken und einer Mole zu fotografieren. Zum Wetter: Sonnenschein bei 17°. Nun ging es weiter nach Lubin. Auf dem Weg war eine riesige Baustelle mit Stau. Lubin ist nicht empfehlenswert. Hier soll es zwar schöne Steilklippen geben (die wir natürlich nicht gesehen haben), aber ansonsten herrscht tote Hose. Um 15:00 waren wir in Miedzyzdroje (wir nannten den Ort nur Miederhose) am Meer. Hier herrschte der totale Trubel. Miederhose ist ein großes Seebad. Da auch in Polen langes Wochenende durch den 1. Mai war, strömten die Massen zum Meer. Es gab keine Parkplätze, dafür aber gefühlt eine Millionen Fußgänger. Durch den Wald fuhren wir nach Dziwnow. Unterwegs sahen wir Wildschweine. Dziwnow ist weniger touristisch und einfacher als Miedzyzdroje. Hier wollten wir nach einem Zimmer gucken. Schon der 1. Versuch war erfolgreich. Es war die "Willa Iduna". Umgerechnet 50€ für ein Zimmer mit Bad und TV. Im Frühstücks-/Aufenthaltsraum gab es einen Billardtisch. Hier wollten wir uns heute Abend austoben. Aber zuerst war Essen und Bummeln angesagt. Wir erkundeten den kleinen Ort, gingen zum Strand und bewunderten die alten Holzvillen. Vorm Billard spielen kam die Arbeit. Die Feuer von gestern und heute wollten benannt werden.

Sonntag, 04.05.08 Kamien Pomorski bis Rowy 260 km, 50 Feuer Um 8:30 gab es leckeres Frühstück. Gut gestärkt machten wir uns um 9:30 auf den Weg. Das erste Feuer war in Kamien Pomorski. Der Ort lag etwas im Landesinneren. Die Bebauung der Ortschaften in Polen ist sehr unterschiedlich. Luxusvillen stehen direkt neben runtergekommenen Plattenbauten, Fertighäuser neben alten, halbzerfallen Holzhäusern. Arm und reich liegen nah beieinander. Die Landschaft ist sehr ursprünglich und abwechslungsreich. Auenwälder wechseln sich mit Landwirtschaft ab, Wälder mit Wiesen und Koppeln. Die meisten Landstraßen sind Alleen, ähnlich wie in Mecklenburg-Vorpommern. Im Hafen von Kolberg kann man Wikinger-Style Fahrten unternehmen Von Kamien aus ging es zurück zur Küste, zum Leuchtturm von Niechorze. Die Küstenstraße nach Mrzeyna ist lt. Landkarte gesperrt. Das stimmte auch, aber von Mrzeyna nach Dzwirzyno ist sie doch offen, obwohl sie auf der Straßenkarte als gesperrt erscheint. In Dzwirzyno wimmelt es von Fischbuden und Leuchtfeuern. Weiter ging es nach Kolberg. Ohne Straßen-Else ist es zwar kein Problem in die Orte und zu den Leuchtfeuern zu gelangen, aber beim Verlassen der Städte wird es dann wieder schwierig wenn man nur nach einem Pfeil auf weißem Bildschirm fährt. Von Kolberg aus ging es ins 60 km entfernte Darlowo (Rügenwalde). Die Strecke führte durch Wälder und schöne Landschaft. In Darlowo, dem Hafen von Rügenwalde, war Seenebel. Man konnte keine 50 m weit gucken. Im Landesinneren war strahlender Sonnenschein bei 15°. Wir fuhren über die 203 nach Ustka. 35km über schöne Alleen, die aber am Rand extreme Straßenschäden hatten. Ausweichen, wenn jemand auf der schmalen Landstraße entgegen kam, konnte ganz schön gefährlich werden. Rowy, nicht Ibiza, obwohl es so heißt, unsere Pension Uns ist übrigens etwas aufgefallen: 95% aller männlichen Polen unter 30 haben kurz geschorene Haare. Wir wollen mal hoffen, dass es auf dem polnischen QVC-Sender billige Haarschneider gab und die Frisur keine Gesinnungsfrage ist. Ustka war um 16:00 abgefeuert. Da es zu früh für den Feierabend war, fuhren wir ins 35 km entfernte Rowy. Direkt an den 4 Einfahrt-Feuern lag die "Willa Ibiza", eine neu eröffnete Pension. Wir nahmen ein Zimmer mit Bad, TV, Balkon und Blick auf die Ostsee. Allerdings gab es kein Bett sondern eine Schlafcouch. Zum Essen spazierten wir in den Ort. Man merkte, dass die Saison noch nicht begonnen hatte. Die meisten Läden und Lokale waren noch zu. Wir fanden eine Pizzeria (Kosta, ul.Nadmorska 12) und zahlten für 2 Pizzen, großes Bier und große Cola umgerechnet 12€ . Auf dem Balkon ließen wir den Abend mit Blick auf Ostsee und Leuchtfeuer ausklingen.

Montag, 05.05.08 Leba bis Gdynia 330 km 42 Feuer Um 8:30 starteten wir Richtung Leba. Die Fahrzeit bis zum Jachthafen betrug eine Stunde. Polen ist wirklich ein gegensätzliches Land. Man sieht riesige teure Traktoren, die die Felder bestellen und keine paar Kilometer weiter beackert ein Bauer mit einem Pferdefuhrwerk sein Land. Das Ei an der Hafeneinfahrt von Hel Die Sonne schien, aber es war noch kühl bei 10°. Leba ist ein schöner idyllischer Ort, doch wir mussten weiter nach Wladyslawowo, von uns nur Wladiwostok genannt. Der Ort liegt an der Wurzel der Halbinsel Hel. Hel ist teilweise sehr schmal. Man kann fast von der einen Seite zur anderen sehen. Strand, Düne, 10 m breiter Wald, Bahnlinie, Straße, Fahrradweg, Strand, Danziger Bucht. Da passt an manchen Stellen kein Haus mehr dazwischen. Sobald es etwas breiter wird, ist ein Ort angelegt worden. Auf Hel ist gut Urlaub zu machen. Gute Fahrradwege, 20 km Strand, viele Unterkunftsmöglichkeiten und Orte mit Lokalen und Shoppingmöglichkeiten. Als wir von Hel runter waren mussten wir nach Puck. Der Ort ist ziemlich alt, besonders das Hafenviertel. Weiter ging's über holprige Straßen nach Rewa. Hier ist es wenig touristisch. Nun lag der Horror-Industriehafen von Gdynia vor uns. Zuerst fuhren wir zum Ausflugs-Pier um nach einer Hafenrundfahrt zu fragen. Leider hatten die schon um 16:30 geschlossen. Dann suchen wir halt ein Zimmer. Im Michael Müller-Reiseführer wurde die Pension Bursztynek (Bernstein) empfohlen. Da in Gdynia das Navi wieder voll funktionierte fanden wir die Pension schnell (ul. Wyspianskiego 15). Wir nahmen ein Zimmer mit Balkon und Bad für 42€. Nach einer Tasse Kaffee machten wir uns auf und suchten ein Restaurant. Wir fanden das Restaurant Paprika, Legionow-Straße/Ecke Pilsudskiego-Straße. Es war wie eine Bauern-Kate aufgemacht, mit bemalten Wänden und uriger Einrichtung. Das Essen war auch sehr lecker. Anschließend fuhren wir zu den Hafenbecken, die nicht von der Hafenrundfahrt angefahren wurden. Aber dort war Industrie und alles verrammelt und verriegelt. Zurück in der Pension gaben wir die Feuer in den Laptop ein. Die Pension lag übrigens in einem Wohngebiet. Gegenüber stand ein Hochhaus Marke Plattenbau. Unser Auto wurde draußen am Straßenrand geparkt.

Dienstag, 06.05.08 Gdynia bis Gorki 142 km, 77 Feuer Die Hafenrundfahrt in Gdynia folgt dem kleinen blauen Schiffchen im Bild Erstaunlicherweise stand morgens unser Auto noch vollständig vor dem Haus. Was war los mit den Polen? Klauen die nicht mehr? Ich befürchte, unser Kia passt 1. nicht in die polnische Zielgruppe und 2. wird jetzt eher von den Litauern oder Letten geklaut. Die Polen fahren alle schon nette Autos, ob legal oder geklaut, weiß ich nicht. Die Burg von Gdansk Mit Käffchen saßen wir auf dem Balkon und beobachteten Katzen. Um 8:30 fuhren wir zum Pier. Wir erfuhren, dass die Hafenrundfahrt erst um 11:30 los gehen sollte. Um keine Zeit zu verlieren feuerten wir schon mal Leuchtfeuer, die zwischen Gdynia und Sopot lagen, ab. Wieder zurück am Pier, erfuhren wir, dass die Hafenrundfahrt erst um 13:00 starten sollte. Alex war sauer! Wir fuhren wieder rüber nach Sopot und feuerten von da nach Danzig. Richtig gelohnt hat sich der Aufwand der Fahrerei nicht, aber man hat wenigstens das Gefühl gehabt, man tut etwas. Das ist wie Stau umfahren. Das bringt meist auch nichts, aber man ist nicht untätig. Das Boot startet pünktlich um 13:00. Es fuhr so in den Hafenbecken herum, dass wir alle Feuer von Gdynia bekamen. Nach einer Stunde waren wir zurück an Land. Nun wieder nach Gdansk. Die meisten Feuer hier standen in unschönen Vororten. Vom tollen restaurierten Danzig sahen wir wenig. Als wir die Feuer von Gorki machen wollten, standen wir vor einem Jachthafen-Hotel. Weit und breit war nichts anderes da als dieser Hafen mit Hotel. Deshalb fragten wir nach einem Zimmer. Es war zwar was frei, allerdings ohne warmes Wasser weil der Hotel-Boiler explodiert war. Dafür konnten wir kostenlos die Sauna benutzen. Wir aßen im Hotel (Jadar, G´rki Zachodnie, ul Stogi 20a). Es war lecker und reichhaltig. Die vielen Feuer gaben wir in der Hotelbar bei einem leckeren Bierchen in den Laptop ein. Alex hat danach noch kalt geduscht, ohne vorherigen Saunagang - brrrrr.

Mittwoch, 07.05.08 Gorki bis Nowa Pasleka 398 km, 27 Feuer Durch unser riesiges Bullaugenfenster sah der Himmel erst gar nicht gut aus. Doch bei der Abfahrt um 8:30 schien wieder die Sonne. Alex fotografierte die 3 Feuer von Gorki. Danach fuhren wir nach Sobieszewo und knipsten vom Strand aus ein Feuer, was weit draußen stand. Ein netter Pole interessierte sich für Alex Kamera, aber er klaute sie nicht. Weiter ging es über die 501 nach Swibno. Hier ist das Weichsel-Delta. Die Marschlandschaft wurde im 17. Jahrhundert von den Holländern trocken gelegt (von wem auch sonst!). In Swibno fuhren wir mit der Fähre rüber nach Mikoszewo und weiter Richtung Frische Nehrung und Frisches Haff (heißt wirklich so). Mitten auf der Nehrung bei Piaski ist die Grenze zu Russland (Gebiet um Königsberg). Direkt an der Grenze stehen Ober- und Unterfeuer. Wir fuhren 3 km über einen holprigen Waldweg, um in die Nähe der Grenze zu kommen. Plötzlich versperrte uns ein niedriges Tor (man konnte drüber springen) den Weg. Ah, hier war die russische Vorgrenze. Ich hatte es mir spektakulärer vorgestellt. Wir parkten und gingen den Maschendrahtzaun entlang zum Strand. Auch hier hätte man ohne Weiteres drunter her kriechen können. Unten am Wasser endete der Zaun. Alex ging auf die russische Seite, kam aber schon kurze Zeit später zurück. Ein russischer Wachposten war ihm im Weg. Das Unterfeuer konnten wir fotografieren, das Oberfeuer war zu weit vom Zaun entfernt. Als wir auf dem Rückweg wieder durch Piaski kamen, liefen uns Wildschweine über den Weg. Eins kam sogar bis ans Auto. An der russischen Grenze besuchte uns ein Wildschwein am Auto In Krynica Morska waren an der Mole Verkaufsstände aufgebaut. Am Waffelstand fühlten wir uns sehr heimisch. Erstens hatten die dort die gleiche Kaffeemaschine von Saeco wie wir zu Hause (huch, hoffentlich steht die noch in unserer Küche und ist nicht geklaut worden ;-)) und 2. stand dort eine Mülltonne der Stadt Duisburg, also meiner Heimatstadt, von 1993 rum. Hat die Stadt mal Mülltonnen nach Polen verkauft oder sind die etwas auch gekl….? Schöner Ort mit viel Historie: Frombork, wo Kopernikus sein Unwesen trieb Wir umfuhren nun das Frische Haff. In der Flussmündung des Elblag waren ein paar Feuer. Hier war wieder unberührte Natur. Ein Kuckuck rief, die Frösche quakten und außer den Tieren war kein Laut zu hören. Über Tolkmico fuhren wir nach Frombork, das ostpreußische Frauenburg. Hier hat Kopernikus gewirkt. Der Ort ist sehr schön. Der große Dom mit Festungsanlage liegt auf einem Hügel. Direkt davor ist der älteste Wasserturm Europas. Unterhalb des Hügels beginnen kleine Gassen, die sich bis zum Hafen ziehen. An der Kirche rechts neben der Festungsanlage ist übrigens ein Festfeuer rot installiert. Das letzte polnische Feuer stand in Nowa Pasleka, unweit der russischen Grenze. Bis hierher hatten wir 1150 km polnischer Küste abgefahren. Nun ging es im Landesinneren über die Landstraße 22 Richtung deutsche Grenze. Die Fahrt wurde direkt verlangsamt weil vor Elblag eine 30 km lange Baustelle war. In Elblag fuhren wir ab, weil wir großen Hunger hatten. Zum Glück fanden wir einen McDonald's. Danach ging es um 17:30 weiter über die 22 mitten durch Polen. Die Straßen waren eher holprige Betonplatten. Es schien so, als ob Herr H. diese noch selbst gebaut hätte. Ich glaube, nach dieser Reise brauche ich neue Stoßdämpfer. Ab 18:30 hielten wir langsam nach einem Zimmer Ausschau. Kurz vor 20:00 nahmen wir ein Zimmer in einem Motel in Lag (Stary Mlyn, ul. Chojnická 47), genau an der B22. Dort konnten wir auch direkt essen (Zimmer 34€, Essen 17€). Da es Internetanschluss gab, checkten wir die Plätze auf der Fähre nach Bornholm. Wir wollten von Sassnitz aus rüber fahren. Aber es war alles ausgebucht. Wir hatten nicht mit dem Pfingstansturm gerechnet als wir die Reise planten. Na gut, dann wird Bornholm halt von Schweden aus angefahren. Es gibt eine tägliche Fähre von Ystad aus.

Donnerstag, 08.05.08 Lag bis Zecherin 435 km, 14 Feuer Die Nacht war laut und hellhörig. Deshalb bummelten wir rum und verließen das Motel erst um 10:00. Auf der Landstraße kamen wir nur langsam voran. Die letzten Zlotys setzten wir in einem polnischen Lidl um und deckten uns mit Lebensmitteln ein. Wir brauchten für die restlichen 300 km bis zur polnischen Grenze 5 Stunden. Nach weiteren 1 1/2 Stunden waren wir dann am ersten Feuer von Mecklenburg-Vorpommern in Anklam. Hier oben gibt es viele Ober- und Unterfeuer. Die meisten stehen irgendwo auf einer matschigen Wiese. Alex hatte viel zu Laufen. Dafür war das Wetter super. Um 18:30 waren wir an der Zecheriner Brücke, die nach Usedom rüber geht. Direkt neben der Brücke auf Usedomer Seite stand ein Oberfeuer auf dem Gelände des Hotels Peene Idyll (Tel: 038372/70832). Das Feuer wurde fotografiert und das Zimmer für 50€ genommen. Wir hatten Blick auf Brücke und Oberfeuer. Im angrenzenden Restaurant haben wir gut zu Abend gegessen. Wir saßen draußen, umschwirrt von Mücken, aber die stachen zum Glück nicht. In der Dunkelheit sind wir auf die Brücke spaziert um unsere geliebten Feuer in Aktion zu sehen.

Freitag, 09.05.08 Zecherin bis Kröslin 185 km, 40 Feuer Um 8:30 gab es ein leckeres Frühstück. Gestärkt starteten wir um 9:00, um Usedom abzufeuern. Über die Seebäder Koserow und Zempin ging es nach Zinnowitz. Hier schlenderten wir auf die Seebrücke. Nein, nicht zu unserem Vergnügen, sondern weil vorne ein Leuchtfeuer stand. Das Seebad Zinnowitz, zum Glück nicht so überlaufen. Wir grasten Usedom kreuz und quer nach unseren Ober -und Unterfeuern ab. Das Ganze bei herrlichem Sommerwetter. Bei Wolgast verließen wir das landschaftlich schöne Usedom um die nördlich gelegenen Feuer zu fotografieren. Um 18:30, kurz vor den Feuern der Tonnenbank bei Freest, sahen wir ein Hotel mit dem Namen "Leuchtfeuer". Da ist man ja als Leuchtfeuerer verpflichtet ein Zimmer zu nehmen! Der Parkplatz war sehr voll und wir befürchteten schon, kein Zimmer mehr zu bekommen (Pfingsten). Doch es wurde nur eine Goldene Hochzeit im Saal gefeiert. Unser Zimmer lag am anderen Ende, hatte eine kleine Terrasse und ein schickes Bad. Der Spaß kostete auch 62€ (Dorfstraße 1, Freest). Während ich es mir mit einem Kaffee auf der Terrasse gemütlich machte, feuerte Alex noch die Leuchtfeuer in der Nähe. Dabei fand er am Hafen von Freest ein nettes Lokal (Hafentaverne, Am Hafen 2, Tel: 038370/20526), in das wir am Abend einkehrten. Das war das Richtige für uns. Katzen über Katzen. Und alle zutraulich.

Samstag, 10.05.08 Eldena bis Barth 327 km, 26 Leuchtfeuer Heute ist Rügentag. Es gab noch ein paar Feuer am Festland bevor wir die Brücke nach Rügen feuerten. Ulkigerweise ist nur die alte Zugbrücke befeuert. Die Neue nicht. Karpfensterben in Barth, mjam, mjam Wir fuhren an der Ostküste hoch und passierten schöne Seebäder wie Sellin, Lauterbach, Göhren und Binz. Für mich sind solche touristischen Orte immer etwas befremdlich. Allein wenn ich schon sehe, dass es für so kleine Orte ein "Parkleitsystem" gibt, mit Hinweistafeln, die von der Größe her eher nach Berlin passen! In Sassnitz am Hafen war der Teufel los. Bei dem schönen Wetter waren alle Urlauber unterwegs. Auch wir bummelten am Hafen herum, aßen Fischbrötchen und genehmigten uns einen Kaffee. Auf der Westseite von Rügen gibt es keine mondänen Seebäder, nur Felder, Felder, Felder und dazwischen Leuchtfeuer. Gegen Abend verließen wir Rügen und fuhren nach Barth. Am Hafen gab es ein umgebautes Speicherhotel. Die Nacht sollte 120€ (!) kosten. Das war uns zuviel. Wir fragten noch bei zwei Pensionen an, aber die waren voll. Am Ortsausgang von Barth (Richtung Bodstedt) war Zimmer und Ferienhaus ausgeschildert. Wir hatten Glück und bekamen ein kleines Ferienhaus mit schöner Terrasse, Kochecke, kleinem Bad und Wohnraum. Das Schlafzimmer im Spitzdach war über eine steile Treppe erreichbar. Das Häuschen kostete 30€ pro Nacht. Wir fühlten uns sofort heimisch. Im Navi fanden wir ein griechisches Restaurant (Jorgos, Zingster Str.1), 400m von unserer Bleibe entfernt. Wir gingen zu Fuß hin und überquerten auf dem Weg den Fluss Barth, der voller toter Barsche war. Also bei den Hinweisschildern an Lokalen "Fisch aus heimischen Gewässern" wäre ich jetzt vorsichtig! Das Essen beim Griechen war sehr lecker. Zufrieden und satt fielen wir in unsere Betten.

Sonntag, 11.05.08 Bodstedt bis Lieps - Duisburg 45km + 519 km 6 Feuer Schon vor 8:00 Uhr nahm ich ein Sonnenbad auf der Terrasse. Aber wir mussten ja los. Die ersten Feuer waren in Bodstedt, also nicht weit entfernt und auch noch gut zu kriegen. Danach folgte eine längere Fahrstrecke nach Wendorf, westlich von Rostock. Hier oben in McPom mussten wir nur noch Lücken abfeuern. Das waren entweder neue Feuer, oder welche, die wir 2001 nicht bekommen haben. Bei Wismar machten wir um 12:00 Feierabend. Die nächsten Feuer waren im 40 km entfernten Lübeck. Da wir in 4 Wochen von Lübeck aus mit der Fähre nach Schweden fahren wollten, mussten die Feuer halt warten. In Grevenmühlen aßen wir noch zu Mittag und machten uns dann auf die 510 km lange Heimreise. Fazit der Reise: Polen ist ein wunderschönes Urlaubsland. Es gibt noch viel unberührte Natur, traumhafte und leere Sandstrände. Unterkünfte sind genug vorhanden. Die Preise für die Zimmer sind OK, das Essen im Restaurant ist im Gegensatz zu Deutschland billig. Sprachschwierigkeiten hatten wir keine. Mit deutsch oder englisch kam man gut durch. Wir haben keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die Leute waren freundlich, es ist uns nichts weg gekommen und wir fühlten uns sicher. Wir können Polen allen Leuten empfehlen, die an der Ostsee Urlaub machen wollen und denen Mecklenburg-Vorpommern zu teuer ist. Statistik: 3626 gefahrene Kilometer insgesamt davon Gefeuerte 2391 km Anzahl Leuchtfeuer 512 Durchschnittlicher Zimmerpreis 47€ Durchschnittlicher Preis Abendessen 17€ (PL), 34€ (McPom)